Die 10 besten Videospiel-Verfilmungen

Die 10 besten Videospiel-Verfilmungen

Sandro Kreitlow

Videospiel-Verfilmungen gibt es unzählige, allerdings nur wenige gute. Wir präsentieren die 10 besten Videospiel-Verfilmungen inklusive Serien.

Videospiel-Verfilmungen stehen unter keinem guten Stern. Kein Wunder, denn mit dem traumatisierenden Super Mario Bros.-Film war der Startschuss 1993 gleich missglückt. Nintendo hält sich seitdem bis heute (vielleicht zurecht) aus Videospiel-Verfilmungen fern. Die Zeit der Spiele-Verfilmungen von Uwe Boll ist glücklicherweise vorbei, doch Filme wie die schreckliche Monster Hunter-Adaption gibt es immer noch. Und doch versuchen es Filmstudios und Videospiel-Publisher immer und immer wieder, beide Medien zu vermischen. Ist The Last of Us von Naughty Dog eigentlich schon cineastisch genug, soll 2022 dennoch eine HBO-Serie der Chernobyl-Macher folgen. Videospiel-Adaptionen wie der kommende Uncharted-Film werden zuhauf geplant, um für Erfolg zu sorgen. In den seltensten Fällen ist es gelungen. Hier sind für euch die zehn besten Filme und Serien basierend auf Videospielen.

Disclaimer: Netflix’ The Witcher-Serie basiert auf der polnischen Romanreihe von Andrej Sapkowski und wird daher nicht aufgeführt.

Platz 10: Deine Geschichte in Dragon Quest

Dragon Quest ist neben Final Fantasy die beliebteste JRPG-Marke aller Zeiten. Kein Wunder also, dass 2020 endlich auch eine Verfilmung von Dragon Quest veröffentlicht wurde. Genauer gesagt war es schon die zweite neben zwei weiteren Anime-Serien, allerdings ist Deine Geschichte in Dragon Quest die erste Verfilmung, die dank Netflix auch im Westen erschienen ist. Dabei muss man natürlich berücksichtigen, dass die letzten Teile der Videospielreihe bereits aufwendige CGI-Sequenzen integriert hatten. Doch optisch hat man im 103-minütigen Film nochmal einiges rausgeholt.

Darin tritt Luca in die Fußstapfen seines Vaters, um seine Mutter aus den Fängen des bösen Slon zu befreien. Ein Held mit dem sogenannten Zenith-Schwert ist seine einzige Hoffnung und ist – anders als in der Spielereihe – hier nicht stumm, sondern spricht. Hinzu kommen Anspielungen zur Reihe, welche Fans ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Platz 9: Tomb Raider

Anfang der 2000er bekam Lara Croft gleich zwei Verfilmungen spendiert. Nimmt man die klassische Spielereihe als Vergleich, mögen diese beiden Filme mit Angelina Jolie vielleicht gar nicht mal so schlechte Adaptionen sein. Doch das macht sie nicht zu guten Filmen. Zu hanebüchen die Geschichte, zu sexualisiert die Hauptfigur, zu plump waren die Dialoge.

Mit Tomb Raider sollte 2018 ein Reboot folgen - ähnlich wie in der Spielereihe selbst. Diese hatte Lara Croft als nachvollziehbaren, realistischeren Menschen statt als unantastbare Superheldin präsentiert. Passend zu einer nahbaren Figur hatte man die Oscar-Gewinnerin Alicia Vikander (The Danish Girl, Ex Machina) engagiert. Der Plan ist gelungen. Auch wenn der Film keinesfalls perfekt ist, kann man für Blockbuster-Verhältnisse hiermit ordentlich Spaß haben.

Platz 8: Pokémon Meisterdetektiv Pikachu

Streng genommen müsste Pokémon als Anime-Serie auf Platz 1 dieser Liste sein. Schließlich startete die Spiele-Reihe 1996, noch bevor der Anime die Welt eroberte. Dafür sind die Pokémon aber dank Pokémon Meisterdetektiv Pikachu in dieser Liste vertreten. Nein, diese Adaption ist keine Eins-zu-eins-Umsetzung des Nintendo-3DS-Spiels. Viel besser: Das von Ryan Reynolds gesprochene (!) Pikachu lebt in einer Welt ohne Tiere, dafür aber mit unzähligen Pokémon.

Das klingt vielleicht so, als würde es nicht besonders viel Sinn ergeben. Doch die Stärke von Pokémon Meisterdetektiv Pikachu liegt in genau jenem Worldbuilding: Wie liebevoll Pokémon animiert wurden, wie sie nützliche Aktivitäten in unserer Welt nachgehen und vor allem: wie sie mit den Menschen interagieren. Trotz einiger Logiklöcher zählt Pokémon Meisterdetektiv Pikachu daher zu den besten und am liebevollsten umgesetzten Adaptionen von Videospielen.

Platz 7: Persona 5: The Animation

Persona 5 ist eines der besten Videospiele der vergangenen Jahre. Mit Persona 5 Royal folgte nicht nur eine erweiterte Version, sondern Persona 5: The Animation. Diese Anime-Serie erzählt einen Großteil dessen, was Persona 5 in über 100 Stunden verpackt. Statt aber nur all die Zwischensequenzen des Spiels zusammenzuschneiden, hat man sich hier den Aufwand gemacht, all die Versatzstücke hochwertig zu animieren, sehr gute Sprecher:innen zu engagieren und dabei all die Stärken der Geschichte beizubehalten.

Während wir im Japano-Rollenspiel selbst bestimmen, wie unser Protagonist heißen soll, wird er hier Ren genannt. Das tolle Gruppengefühl rund um ihn herum ist auch in der Anime-Serie spürbar. Klar, einige Handlungsstränge mögen hier arg reduziert sein, doch alles in allem wurde der Ton des Spiels sehr gut getroffen – inklusive fantastischem Soundtrack, übertrieben coolem Stil und passendem Humor, aber auch der Verarbeitung tiefgründiger Themen.

Platz 6: Castlevania  

Eine ebenso gute Umsetzung ist Castlevania. Inszeniert von einem amerikanischen Animationsstudio, aber angelehnt an japanische Animes vermittelt Castlevania die gleiche Stimmung wie in den Spielen. Das Erzähltempo ist eher ruhig, dafür sitzt aber nahezu jede Action-Sequenz, die blutrünstig und emotional zu überzeugen weiß. Hier sind eindeutig Fans der Konami-Reihe am Werk. Doch keine Sorge: Die Netflix-Serie versteht man auch ohne Vorkenntnisse, was ihr einen schönen Vorteil gegenüber anderen Adaptionen auf dieser Liste bringt.

Platz 5: Phoenix Wright - Ace Attorney

Die Absurditäten der Phoenix Wright-Reihe sind nur in einem Videospiel möglich, könnte man meinen. Doch Takeshi Miike, einer der fleißigsten Filmemacher Japans, hat den Geist der Reihe vollständig eingefangen. Ähnlich wie das Spiel läuft nämlich auch der Film ab: Phoenix und Maya stolpern auf der Suche nach Indizien durch die Gegend, die der Junganwalt dann vor Gericht gegen seinen Rivalen Miles und später gegen dessen Boss von Karma einsetzt. Dabei geht es mit harten Bandagen zur Sache und stets ist klar, dass dieses Rechtssystem nicht immer gerecht ist. Es geht nicht wirklich um Schuld oder Unschuld des Mandanten oder gar um Wahrheit und Gerechtigkeit. Beweise werden manipuliert oder zurückgehalten, Zeugen eingeschüchtert oder beseitigt

Voller Satire und mit erhobenem moralischem Zeigefinger prangert Miike all diese Entgleisungen an. Der Humor kommt der doch etwas langen Spielzeit von 135 Minuten entgegen. Insgesamt macht Miikes Verständnis der Spielereihe den Film zu einem abgefahrenen, wilden und vergnüglichen Spaß.

Platz 4: Final Fantasy 7 Advent Children

Final Fantasy: DIe Mächte in dir führte beinahe dazu, dass Square Enix bankrottgehen musste. Umso überraschender, dass der Videospiel-Publisher sich einige Jahre später dennoch dazu entschied, einen weiteren Film zu veröffentlichen. Diesmal ging man auf Nummer sicher, indem man Fans des beliebtesten Final Fantasy-Teils adressierte. FF7 Advent Childen erzählt dabei die Geschichte des einflussreichen PS1-Klassikers weiter. Darin wurden Jenova, Sephiroth und der ShinRa-Konzern zwar geschlagen, doch nun geht es um die Aufarbeitung der Nachwirkungen von diesem großen Kampf.

Die Menschen beginnen langsam, ihre Städte wieder aufzubauen, doch eine merkwürdige neue Krankheit mit dem Namen Geostigma bringt weiteres Unheil, ehe auch noch Yazoo, Loz und Kadaj mit dem Plan auftauchen, Sephiroth zurückzubringen. Ein weiteres Mal heißt es für die Truppe rund um Cloud, Tifa und Barrett, sich zusammenzutun und mit aller Kraft gegen die bösen Mächte vorzugehen – eine emotionale Achterbahnfahrt für jeden Fan der Final Fantasy 7-Compilation.

Platz 3: Like a Dragon

Mit Like a Dragon ist Regisseur Takeshi Miike bereits das zweite Mal in dieser Liste vertreten. Auf dem ersten Blick bietet die Yakuza-Spiele-Reihe zwar eine reine Gewaltorgie. Auf dem zweiten ist die Handlung allerdings ungemein komplex mit vielen überraschenden Wendungen. Like a Dragon ist allerdings nicht der komplexe und dichte Yakuza-Thriller, der bei der Vorlage auch möglich gewesen wäre, sondern ein buntes und wildes Knallbonbon, das genau so aussieht, wie sich der Fan die werkgetreue Verfilmung eines herkömmlichen Prügelspiels vorstellt. Dass die Komplexität weggefallen ist, tut dem Film also keinesfalls etwas Schlechtes, auch wenn die Klasse der Spiele-Reihe dadurch natürlich nicht erreicht wird. Nichtsdestotrotz: Kurzweilige, überzogene und dadurch so spaßige Prügel-Action.

Platz 2: Gangs of London

Den wenigsten dürfte Gangs of London überhaupt bekannt sein. Schließlich ist die Spiele-Vorlage ein eher mäßiger PSP-Titel aus dem Jahre 2006. Mehr als zehn Jahre später entschied sich Regisseur Gareth Evans (The Raid-Reihe, Apostle) dennoch dafür, das grobe Konstrukt des Spiels in eine Serie zu adaptieren. Dass er harte, schmerzhafte Action inszenieren kann, hat Evans schon zuhauf unter Beweis gestellt. Mit Gangs of London zeigte er, dass er auch komplexe Londoner Clan-Strukturen und –Figuren spannend erzählen kann. Keine Frage: Gangs of London ist so viel besser als die Vorlage.

Platz 1: Silent Hill

Ja, Silent Hill kam vor allem im Film-Feuilleton nicht besonders gut an. Und vielleicht muss man die Spiele-Reihe kennen, um den Film wertschätzen zu können. Dennoch (oder gerade deswegen) ist Silent Hill für uns die beste Videospiel-Verfilmung aller Zeiten.

Die einflussreiche Horror-Reihe wurde bereits inspiriert von Filmen wie Jacob’s Ladder, was sicherlich auch für den Film ein Vorteil gewesen sein könnte. Die Film-Adaption von Silent Hill wiederum vermischt zwar Geschichten und Figuren mehrerer Teile, inszeniert den Grusel aber ganz genau so, wie der allererste Teil, der damals auf PlayStation 1 erschien: Die Kamerawinkel sind ähnlich starr gehalten und untermauern die Klaustrophobie, das Monsterdesign ist auf positive Art unangenehm anzuschauen, Asche (auch wenn es im Spiel noch Schneeflocken waren) fällt langsam durch den andauernden Nebel. Darüber hinaus ist das Sounddesign der Wahnsinn: Nicht nur die ikonischen Sirenen jagen euch einen kalten Schauer über den Nacken, auch das Radio macht auf sich aufmerksam, sobald Monster in der Nähe sind. Die Geschichte bietet außerdem genug Raum für Interpretationen. Schade nur, dass mit Silent Hill: Revelations ein unerträglich langweiliger Nachfolger erschien, über den eigentlich der Mantel des Schweigens gebreitet werden sollte.

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