Biomutant: Indie-Überraschung oder Flop?

Biomutant: Indie-Überraschung oder Flop?

Sandro Kreitlow

Biomutant hätte die Indie-Überraschung des Jahres werden können. Doch der lang entwickelte Titel steckt leider voller Probleme. Hier sind die fünf größten.

Bevor es mit unserer Review losgeht, möchten wir euch noch wärmstens empfehlen bis zum Schluss zu lesen. Macht euch einfach selbst ein Bild von Biomutant: Wir verlosen gemeinsam mit Instant Gaming 5x Biomutant und legen selbst noch ein Starterpack mit Booster und Shaker oben drauf.

Biomutant ist ein post-apokalyptisches Action-RPG im Gewand eines Open-World-Märchens mit Kung-Fu-Elementen. Seitdem der Titel auf der Gamescom 2018 angekündigt wurde, baute sich Jahr für Jahr immer mehr Hype auf. Schließlich steckt Biomutant voller Ideen und diverser Gameplay-Mechaniken. Kommen wir erst einmal zum Positiven: Auch wenn man sich zahlreichen Gameplay-Elementen von anderen Titeln bedient und dadurch zu Beginn überladen wirkt, fasziniert die abwechslungsreiche Spielwelt mit ihrer Optik und ihrem Klang. Sie lädt mit ihrer Vielseitigkeit dazu ein, entdeckt und erforscht zu werden. Auch macht es Spaß, die abgefahrenen Waffen zu craften, ehe ihr sie den Gegnern um die Ohren feuern könnt. An Ideen mangelt es keinesfalls.

Auf dem Papier ist Biomutant also ein Traum für Action-Rollenspieler:innen: ein unverbrauchtes Szenario mit ökologischer Botschaft, verrückten Charakteren und einer offenen Welt, in der man sich austoben kann. Das verhältnismäßig kleine Team von Experiment 101 aus etwa 20 Leuten könnte sich dabei allerdings etwas übernommen haben, was folgende fünf Probleme zeigen:

1.     Story: Zu sehr in schwarz und weiß

Kommen wir erstmal zur Handlung von Biomutant: Im Spiel trefft ihr auf sechs unterschiedliche Stämme. Sie alle besitzen einen Anführer, die sogenannten Sifus, die alle Meister eines spezifischen Wung-Fu-Kampfstils sind und ihre Schüler darin unterrichten. Diese Stämme befinden sich im Krieg. Drei von ihnen verfügen über eine sogenannte helle Aura, während die drei anderen eine dunkle Aura besitzen. Am Anfang entscheidet ihr euch für einen dieser Stämme. Später könnt ihr euren Verbündeten allerdings jederzeit wechseln.

Der Zustand der Welt wird dabei durch einen riesigen Baum dargestellt. Er ist ein Spiegelbild der Welt und zeigt, ob sie untergeht oder überleben wird. Es hängt alles mit dem Baum des Lebens zusammen, dessen Lebensenergie von fünf sogenannten Weltenfressern bedroht wird, die wiederum die Regionen vergiften. Stämme mit heller Aura wollen die Welt retten, daher müsst ihr den Baum bewahren und die Stämme vereinen. Verbündet ihr euch mit Stämmen mit dunkler Aura, müsst ihr natürlich das Gegenteil tun. Sie glauben nämlich daran, dass es nur Fortschritt geben kann, wenn es eine Art Läuterung der Welt gibt. Sie wollen daher, dass alles Schlechte in der Welt einfach untergeht, um einen Neuanfang zu haben. Das Problem dabei: In jedem Dialog und in jeder Tat ist sofort klar, wer gut und wer böse handelt. Spannung kommt dabei kaum auf. Wenn die Seiten jederzeit klar sind und es keine Grautöne gibt, verlieren Entscheidungen schließlich an Gewicht.

2.     Inszenierung: Potenzial verschenkt

Die Geschichte kommt nie so richtig in Fahrt. Schuld daran sind die unzähligen Rückblenden, die das Ganze ausbremsen, die träge inszenierten Zwischensequenzen, aber vor allem die Dialoge. Statt selbst den Dialogen folgen zu können, übermittelt euch ein Sprecher, was die Wesen in Biomutant in ihrer Sprache sprechen. Was anfangs noch nach einer guten Idee klingt, entpuppt sich mit der Zeit als ziemlich träge. Manchmal nennt der Sprecher den Namen der Figur, die etwas gesagt hat, manchmal spricht er von ihr in der dritten Person, manchmal aber wird einfach das Personalpronomen weggelassen – seltsam!

In den Sätzen, die ihr wählen könnt, dürft ihr manchmal etwas entscheiden. Meistens aber bestehen die Dialoge einfach nur daraus, dass ihr nachfragen könnt, um Zusammenhänge zu verstehen. Wirklich interessante Gespräche kommen dabei leider selten heraus, sodass ihr irgendwann den Faden verliert und nicht mehr wisst, worum es eigentlich geht.

3.     RPG-Elemente: Toll gedacht, aber...

Als Spieler:in habt ihr die Möglichkeit, in der Charaktergestaltung die Attribute festzulegen. Diese sind eng verbunden mit der Art, wie der Charakter aussieht. Mittels eines 360-Grad-Auswahlradius verändert ihr nicht nur das Erscheinungsbild eures Biomutanten, sondern auch eure Attribute wie Stärke, Vitalität und Charisma. Die Charakteranpassung geht dann so weit, dass ihr sogar festlegt, ob und wie ihr Teile an die Kleindung, Hüte, Hosen oder was auch immer anbringt. All das greift nur nicht so richtig. Biomutant tut zwar so, als würde es einen Unterschied machen, für welchen Charakter und für welche Eigenschaften ihr euch zu Beginn entscheidet, doch im Laufe des Spiels könnt ihr sowieso machen, was ihr wollt und alles so einstellen, wie ihr wollt. Neben den Schwarz-Weiß-Entscheidungen in den Dialogen führt auch das dazu, dass die Tragweite eurer Entscheidungen nie so richtig groß ist, sondern banalisiert wird.

1.  4. Kampfsystem: Zu viel des Guten 

 

Biomutant ist voll von kreativen Ideen fürs Kampfsystem. In erster Linie wären da die Biomutationen, die euch allerlei kreative Freiheiten geben. Zum Beispiel könnt ihr euch einen Pilz wachsen lassen, der vielseitig einsetzbar ist. Beispielsweise könnt ihr auf diesen Pilz springen und aus der Luft mit eurer Blitz-Attacke angreifen. Ein umfangreiches Crafting-System lässt euch dazu Zweihänder wie Schwerter und Stöcke, aber auch Wurfsterne und Ähnliches aus jedem Schrott, den ihr findet, zusammenbasteln. Je nachdem, welche Mutation ihr verwendet, lädt sich außerdem während des Kampfes eine Spezialattacke auf, die als Finisher benutzt werden kann. Jede Nahkampf-Waffe hat also individuelle Fähigkeiten, Elementareffekte und eine zusätzlich anpassbare Mutanten-Attacke. Gleichzeitig könnt ihr mit einer Waffe auch noch jederzeit gezielt schießen. Und als wäre das noch nicht genug, habt ihr später auch noch die Option auf Bullet Time, also dem Schießen in Slow-Motion.

All diese Mechaniken führen dazu, dass das Kampfsystem unnötig komplex gemacht wird, ohne auch nur annähernd all diese Optionen wirklich zu benutzen. In einem Action-Kampfsystem wie Devil May Cry ist es unabdingbar, dass sich das Kampfsystem direkt und gezielt steuern lässt. Doch die wilden Kamera-Bewegungen und ungenauen Hitpoints in Biomutant führen oftmals nicht nur zu einem schwammigen Spielgefühl, sondern auch zu Buttonmashing, statt gezielten Attacken.

5.     Technik: Luft nach oben

Die offene Welt von Biomutant will eine Vielzahl von mutierten Gegnern, ein dynamisches Wettersystem, diverse Vehikel, versteckte Geheimnisse und konkurrierende Mutantenvölker bieten – verbunden mit einem Action-RPG-Kampfsystem mit unzähligen Möglichkeiten, Crafting, Power-Ups, einem Karma-System und mehreren Enden. Ach und: Tierwesen zu reiten, in Maschinen steigen sowie Vehikel zu fahren und zu fliegen – all das ist ebenfalls möglich. Dass technisch dabei nicht alles gelingt, ist klar. Doch wenn grundlegende Dinge wie die Übergänge zwischen Zwischensequenz und Gameplay nicht funktionieren, es ständig zu Framerate-Einbrüchen oder den unzähligen Bugs kommt, raubt es doch zum großen Teil den Spielspaß.

Fazit: Biomutant will alles ein bisschen sein, aber nichts so richtig. Von der Struktur her will es ähnlich wie Zelda: Breath of the Wild sein. Und das gelingt zum Teil auch, weil die Welt mit ihren unterschiedlichen Biotopen ebenso interessant und charmant ist. Aber es will eben auch wie Ratchet & Clank, Devil May Cry, Arkham und so einige andere hochkarätige Spiele sein. Die Ideen sind großartig, sie sind nur eben nicht ganz zu Ende gedacht. Statt sich zu fokussieren, hat sich das Entwicklerteam von Biomutant leider völlig übernommen.

Nun seid ihr an der Reihe: Testet Biomutant selbst und räumt ganz nebenbei noch ein Starter Pack ab. Das gibt es mit unseren Freunden von Instant Gaming zu gewinnen:

  • 5x Biomutant
  • 5x Starter Pack mit Booster-Sorte nach Wahl und einem All Black Premium Shaker

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