Mortal Kombat-Film: Spaßiger Edeltrash in brutalster Form

Mortal Kombat-Film: Spaßiger Edeltrash in brutalster Form

Sandro Kreitlow

Wochen nach dem HBO Max-Release ist der Mortal Kombat-Film nun auch endlich bei uns als Stream erhältlich. Wir verraten euch, was die brutale Videospielverfilmung so draufhat.

Eines sei vorweggesagt: Der neue Mortal Kombat-Film macht keine halben Sachen. Rated-R (die Freigabe ab 18) ist bei so einer Vorlage notwendig und so werden hier Menschen zerteilt, Organe herausgerissen und Seelen ausgesaugt. Als Fan der Mortal Kombat-Reihe fühlt man sich sofort heimisch. Denn wie in den Spielen ist das Ganze ebenso überzeichnet und makaber. Vor allem die übernatürlichen Fähigkeiten wurden halbwegs sinnvoll in die Geschehnisse verbaut. Sub-Zero nutzt seine Eis-Fähigkeiten, um mal eben einen Schuss aus der Waffe Jax Briggs’ zu stoppen, während Liu Kang sein Feuer nutzt, um eine Wunde zu heilen.

An der inzwischen überragenden Inszenierung in den Story-Modes von Mortal Kombat X und Mortal Kombat 11 kommt der Film dennoch nicht heran. Immerhin ist die Wertigkeit von Kostümen, Sets und Special Effects (bisauf das CGI-Blut) ordentlich, wenn man bedenkt, dass diese Videospielverfilmung mit einem Produktionsbudget von etwa 55 Millionen US-Dollar zu den günstigsten Blockbustern gehört. Und auch die Entscheidung, statt bekannten Schauspieler:innen zum großen Teil auf echte Martial Arts-Kämpfer:innen zu setzen, kann man den Macher:innen zugute heißen.

Mortal Kombat ohne das Mortal Kombat

Das alles bringt jedoch wenig, wenn deren Qualitäten in der Kampfkunst kaum davon profitieren. Durch das Schnitttempo verlieren viele Choreografien ihren Impact. Der Kampf zu Beginn hat noch eine gewisse Wucht, weil die Kamera sich um den Kampf herumbewegt, im ihn zu begleiten:

Doch was im Rest des Films folgt, sind Schnittfeuerwerke, die dazu führen, dass die Orientierung schnell mal verloren geht. Ganz im Gegenteil dazu ist die Handlung deutlich übersichtlicher. Während die Spielereihe mit Intrigen auf Intrigen immer komplexer wird, passt die Geschichte des Films auf einen Notizzettel. Statt des eigentlichen Mortal Kombat-Turniers geht es nämlich allen voran um die Origin-Stories von Sub Zero und Scorpion. Statt aber diese beiden in den Fokus zu stellen, reiht sich inmitten der bekannten Kämpfer:innen der Ex-MMA-Champion Cole Young als komplett neue Figur ein. Er ist es, der die Rolle der Zuschauenden einnehmen soll, um möglichst einfach eine Verbindung zwischen Zuschauer:in und dem ganzen herrlichen Quatsch der Mortal Kombat-Lore zu schaffen. Zwischen den harten Kämpfen folgt Exposition auf Exposition.

Flawless Victory!

Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen, so hanebüchen die Geschichte nun mal ist: Das Mortal Kombat-Logo als Muttermal (ja, wirklich...) an Coles Körper weist ihn als einen der Kämpfer der Erde beim eigentlich anstehenden Turnier aus – und rückt ihn damit ins Visier von Sub-Zero. Schon vor dem offiziellen Turnier schickt Shang Tsung nämlich seine Kämpfer:innen los, um alle Champions der Erde zu erledigen. Und bevor ihr fragt: Ja, das ist alles.

Dazwischen gliedern sich eben allerlei weitere Gastauftritte bekannter Mortal Kombat-Kämpfer:innen ein. Protagonist Cole bleibt durchweg blass und wird nur wenig ausgearbeitet. Alles schreit danach, dass es eine bessere Entscheidung gewesen wäre, die beiden Champions Liu Kang und Kung Lao (letzterer gespielt vom Deutschen Max Huang) zu den Hauptfiguren zu machen. Als geheimer Star des Films zeichnet sich stattdessen der psychopathische Kano heraus, der das Ganze umso mehr überspitzt, wenn er in seinem Finishing Move ein Herz rausreißt und ständig einen grummeligen, dummen Oneliner auf den Lippen hat.

Durch und durch bietet die Mortal Kombat-Reihe weitaus mehr Potenzial, als das was Regisseur Simon McQuoid in seinem Regie-Debüt nun gezeigt hat. Doch alles in allem können Fans zufrieden sein. Kultige Sprüche wie “Flawless Victory” und natürlich die “Fatality” werden zitiert, die Moves der Reihe wurden eins-zu-eins beeindruckend umgesetzt, Easter Egg folgt auf Easter Egg und deutet fast schon zu sehr auf zukünftige Filme hin. Die Reichhaltigkeit der diversen Realms wird nur angedeutet, Charaktere wie Johnny Cage oder Shao Khan nur angeteast. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Fortsetzung eines Tages tatsächlich erscheint. Denn ansonsten wird Mortal Kombat wohl nur einer von vielen Videospielverfilmungen bleiben, die in Vergessenheit geraten.

Fazit

Die Neuverfilmung der beliebten Beat-em-Up-Reihe ist ein solider Anfang, der weiß, was er sein will, allerdings mit deutlich Luft nach oben. Damit zählt Mortal Kombat weder zu den besten noch zu den schlechtesten Videospielverfilmungen.

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