Mythic Quest: Diese Gaming-Serie musst du gesehen haben

Mythic Quest: Diese Gaming-Serie musst du gesehen haben

Sandro Kreitlow

Mythic Quest: Raven’s Banquet ist eine Comedy-Serie mit dem Fokus auf Gaming-Themen. Wir verraten euch, warum ihr sie auf keinen Fall verpassen solltet.

In Mythic Quest begleitet ihr ein Entwicklerstudio, das am titelgebenden MMORPG werkelt. Die Entwicklung daran stellt das Team nicht nur vor große Herausforderungen, auch ihre sozialen Konfrontationen und psychischen Probleme bringen eine Menge Chaos in die Produktion ihres neuen Add-Ons “Raven’s Banquet”. Die erste Staffel der Serie schafft eine solide Balance: So geht es nicht nur um die Probleme der Figuren, sondern auch um unangenehme Themen der Gaming-Branche. Letzteres ist deswegen bemerkenswert, weil die Serie unter anderem von Ubisoft produziert wird.

So geht es unter anderem um Abhängigkeit von Streamer:innen, wenn ein neues Feature bewusst geleakt werden soll. Statt mit journalistischen Outlets wie Polygon oder Kotaku zusammenzuarbeiten, entscheidet sich das Entwicklerstudio jedoch dazu, die Infos lieber einem Streamer zu überlassen - mit der Hoffnung, dass dieser möglichst positiv über das Spiel berichtet. In einer anderen Folge geht es sogar um Nazi-Communities, während auch vor dem wichtigen, aber oft verschwiegenem Thema rund um Crunching (Übermaß an oft unbezahlten Überstunden) kein Halt gemacht wird. Selbst die toxische Arbeitskultur, vor der die Gaming-Branche nicht gefeit ist, wird beleuchtet.

All das unter einen Hut zu bekommen bedarf einer Menge Fingerspitzengefühl. Es gelingt allerdings nicht immer. Mal ist Mythic Quest witzig, mal etwas ungelenk und plump, manchmal ist es herrlich absurd und trotz starker Übertreibung mit großer Wahrscheinlichkeit gar nicht mal so weit von den wahren Umständen entfernt, denen sich Spieleentwickler:innen weltweit ausgesetzt sehen. Das größte und vielleicht einzige wirkliche Problem der ersten Staffel ist hingegen, dass die persönlichen Geschichten der Figuren zu sprunghaft erzählt werden.

Bei der Entwicklung von “Raven’s Banquet” muss Chefentwicklerin Poppy immer wieder darum kämpfen, ernst genommen zu werden, während das Ego des Mythic Quest-Gründers Ian Grimm kaum größer sein könnte. Als Mediator zwischen den beiden gegensätzlichen Polen soll Executive Producer David dienen, der allerdings nicht genug Durchsetzungsvermögen besitzt. Daneben versucht PR-Chef Brad, möglichst viele Mikrotransaktionen ins Spiel einzubauen, während der selbstverliebte Schriftsteller und Headwriter C. W. Longbottom seine besten Zeiten längst hinter sich hat, sich nun aber hin und wieder eine neue kleine, epische Erzählung ausdenkt, die man im Spiel irgendwie verwursten kann. Abgerundet wird das Ensemble von den zwei firmeninternen Spieletesterinnen Rachel (Ashly Burch, Sprecherin u.a. bei Life is Strange) und Dana. Das Fundament für eine spannende Truppe aus Menschen, die man gern am Bildschirm verfolgt, ist also gegeben. All ihre persönlichen Probleme kommen in den nicht mal halbstündigen Episoden der ersten Staffel jedoch zu kurz.

Umso schöner, dass sich Staffel 2 zwar weniger mit den Gaming-kulturellen Themen auseinandersetzt, sich dafür aber wieder vermehrt den Charakteren widmet - auch wenn die Corona-Pandemie das Produktionsteam mehr oder weniger dazu zwang. Während die erste Staffel beispielsweise noch eine Videospiel-Messe abgebildet hatte, war man während der Produktion der zweiten Staffel wesentlich limitierter. So ist F. Murray Abraham, der den Headwriter Longbottom spielt, nur noch per Schalte über ein Tablet zu sehen, da man es nicht riskieren wollte, den 81-Jährigen zur Produktion zu schicken. Zuvor hatte man bereits als erste US-amerikanische Produktion eine Pandemie-Sonderfolge veröffentlicht, in der das Entwicklerteam in einer Zoom-Videokonferenz zu sehen ist. Schwierige Produktionsbedingungen also, die nichtsdestotrotz dazu führten, dass die Figuren in der zweiten Staffel nun deutlich besser ausgearbeitet werden.

Ian und die kürzlich beförderte Co-Creative Director Poppy sind uneins über die neue Richtung des Spiels. C. W. Longbottom bewältigt währenddessen ein paar Probleme aus seiner Vergangenheit, die beiden Testerinnen verfallen in eine Büro-Romanze und Executive Producer David verliert eine weitere Frau in seinem Leben... All das bekommt nun wesentlich mehr Aufmerksamkeit, Zeit und – im Falle der beiden Spieletesterinnen - wunderschöne Momente.

Fazit: Keine Frage - Wer sich die Arbeit an Computerspielen immer als Traumjob vorgestellt hat, der wird hier eines Besseren gelehrt. Mythic Quest ist eine unterhaltsame Serie rund um ein Chaosteam, das zum einen an einem erfolgreichen Online-Rollenspiel werkelt, zum anderen aber gleichzeitig mit der realen Welt überfordert ist. Das ist oft sehr spaßig, ordentlich überzeichnet, berührt aber vor allem hin und wieder auch das Herz.

« Zurück zum Magazin

© 2021 Just Legends. Made with 💜 in Berlin.